Ich beginne wieder zu leben und das mit fünfzig Jahren. Lange denke ich über ein freudiges Ereignis nach, welches mir in meiner Fernfahrerzeit in Erinnerung geblieben ist. Jedoch kann ich mich nicht an ein einziges Gefühl erinnern, welches mich heute im Jahr 2017 erfasst hat. 

Die Negativzeit ist vorüber und blockiert mein schreiben. Ich muss nicht mehr wie früher daran denken, wie ich Essbares auf den Tisch bringe oder die Räume beheize. Nein, jetzt brutzelt ein Bratwürstchen und Kartoffeln am Herd meiner gemütlichen Küche - in der neuen Wohnung. Am riesengroßen Tisch sitzend, versuche ich die richtigen Worte zu finden. 

Das Wohnzimmer erstrahlt in rötlichem Licht, welches das Meeresbild im Eck an Urlaub erinnern lässt. Aus der Musikanlage tönen Klänge, die mich mein ganzes Leben lang begleitet haben. Songs aus den 60ern, ohne die mein Dasein in der Vergangenheit keinen Sinn gehabt hätte. Tanzend tänzle ich von der Küche ins Wohnzimmer, im Takt der vertrauten Lieder, mit einem Glas Wein in der Hand. Verträumt sehe ich aus dem Fenster und bewundere den romantischen Sonnenuntergang. Schmunzelnd denke ich zurück, an die Lesereise und die interessanten Menschen, die meine Freundin Sabina und ich in dieser Zeit kennengelernt haben.

 

Von München rauf zur Ostsee

 

Ich konnte es kaum mehr erwarten, bis meine Lesereise beginnen würde und fieberte dem Tag entgegen, bis es endlich los ging. Und Donnestag, dem 9.3.2017 war es dann endlich soweit. Meine Freundin Sabina und ich fuhren von unserer Heimatsteyr Steyr, Richtung deutscher Grenze entgegen. Beabsichtigt wählte ich eine Strecke, die ich vor Jahren regelmäßig mit dem Lkw gefahren war. Rauf auf die Autobahn nach Ort im Innkreis und von dort nach Braunau am Inn. An der Grenze, war wie schon vor einem Jahr nichts los und wir konnten den Grenzübergang problemlos überqueren. Jedes Mal wenn ich bei Mühldorf am Inn vorbei fahre, erinnere ich mich daran, dass ich am Rande dieser Kleinstadt einige meiner Wochenenden verbracht hatte. 

                             Die moderne Technik brachte den Lkw-Fahrern und                                                                                Transportunternehmern nicht nur Vorteile

Durch die Erfindung der Fahrerkarte konnte die Exekutive lückenlos alle Ereignisse, die sich       iim Laufe mehrerer Wochen abspielten, genauestens kontrollieren. Fand eine Kontrolle statt,       war es möglich, dass der Fahrzeugführer und seine Firma (damals sowie auch heute) bei einem oder mehreren Vergehen mit empfindlichen Strafen zu rechnen hatte. Ich musste mir also zu jener Zeit meine Fahrzeit so einteilen, sodass ich rechtzeitig vor Beginn des Wochenendfahrverbotes (in Österreich) zu Hause war. Natürlich gelang mir dieses Vorhaben nicht immer, da auch die gesetzlich vorgeschriebene Fahrzeit, Einsatzzeit (Arbeitszeit eines Tages) und Pausen eingehalten werden mussten. Um nicht an einem verlassenen Parkplatz, ohne WC oder sonstigen Waschgelegenheiten am Wochenende zum Stillstand zu kommen, wählte ich- sofern dies möglich war, für meine Wochenendruhezeit einen Ort oder eine Stadt. Dort gab es meist eine Tankstelle, um mich zu waschen und meinen Toilettgang erledigen zu können. 

Sabina lauschte meinen Erklärungen und wir einigten uns darauf, beim Autohof an der B12 eine Kaffeepause einzulegen. Als wir dort ankamen, hatte sich nichts verändert. Alles sah aus wie vor Jahren. Nach einem kurzen Plausch mit den Ortsansässigen setzten wir unsere Reise fort. Quer durch München, um einem Stau auf der Autobahn zu entgehen. Wir steuerten direkt unser Hotel an, welches etwa 18 Kilometer von Karlsfeld entfernt war. Überrascht von der einladenden Fassade dieses Hauses, welches sich wohlgemerkt in einem kleinen Industriegebiet befand, traten meine Freundin und ich mit dem Gepäck ein. Wir wurden freundlich begrüßt und während Sabine die Formalitäten erledigte, sah ich mich ein wenig um. Hell und urgemütlich konnte man sich wohlfühlen in diesem Haus. Kurze Zeit später bezogen wir das geschmackvolle Zimmer. Wir hatten nicht viel Zeit um uns auszuruhen, denn in zwei Stunden, sollte die erste Lesung beginnen. Trotzdem genehmigten wir uns ein ausgiebiges Abendessen, nachdem wir uns geduscht und umgezogen hatten. Obwohl wir die Bibliothek erst suchen mussten, kamen wir relativ pünktlich an. Schnell räumten wir die benötigten Gegenstände aus dem Pkw und begrüßten anschließend die Gastgeberin. In Windeseile platzierte Sabina die Bücher an einem dafür vorgesehenen Tisch, während ich die Gäste mit einem Handschlag willkommen hieß. Der Vortrag über die Anfangszeit meiner Fernfahrerkarierre wurde positiv aufgenommen und gefühlte zwei Stunden später, verließen wir gut gelaunt die Bücherei in Karlsfeld. Im Hotel angekommen, genehmigten wir uns noch einen Schlaftrunk, bevor wir übermüdet schlafen gingen.

 

Hamburg

Liebeserklärung an eine Weltstadt

 

Ich konnte es kaum erwarten, wieder nach Hamburg zu reisen. In den Jahren zuvor besuchte ich die Weltstadt regelmäßig. Zwar nicht wie heute als Touristin, sondern im Zuge meines Berufes als Lkw-Fahrerin im internationalen Verkehr. Die Freude war riesengroß, als wir im März 2017 der Stadt näherkamen. Die nächsten Tage sollten nicht nur ein Sprung in die Vergangenheit sein. Meine Freundin Sabina und ich lernten in der Zeit unseres Besuches viele interessante Menschen kennen, die auch eine bewegende Geschichte zu erzählen hatten. Wir erkundeten Orte und Sehenswürdigkeiten, die nur Hamburg zu bieten hatte. 

Ich war und bin noch immer verwurzelt mit der Hansestadt, in der ich so viele schöne und aufregende Stunden verbringen durfte. Und ich verspreche, sobald es meine Zeit zulässt, werde ich wiederkommen. 

Endlich in der Weltstadt angekommen, versuchten wir im dichten Verkehr unser Hotel ausfindig zu machen. Direkt am Hauptbahnhof in Hamburg sollten wir nächtigen. Sabina, die unser Zimmer gebucht hatte, gab mir Bescheid, dass wir in der nebenliegenden Parkgarage den Pkw einstellen konnten. Wir luden unser Gepäck aus und checkten in unserer Bleibe ein. Das Zimmer versprach nicht, was wir gebucht hatten. Nach einer längeren Diskussion mit der Hotelangestellten und etlichen Telefongesprächen mit einem der zuständigen Geschäftsführer, wurde uns für den nächsten Tag ein anderer Raum versprochen. Inzwischen war so viel an Zeit verloren gegangen, dass wir den von uns gebuchten Reeperbahn - Rundgang versäumten. Kurzentschlossen erkundeten wir unsere nähere Umgebung. Nachdem wir uns an den Menschenmassen satt gesehen hatten, verspürten wir Hunger. Direkt am Eck befand sich ein Restaurant mit einer leckeren Speiseauswahl. Wir hatten Glück, denn obwohl dass Lokal vollbesetzt war, durften wir bei zwei Frauen Platz nehmen. Die Damen wollten das Theater am Ende der Straße besuchen und nach einigen Vorschlägen von den Frauen, wie wir die fünf Tage in der Hansestadt verbringen könnten, verließen sie uns. Auch wir hielten uns nicht mehr allzu lange auf, da uns die Müdigkeit einholte.

Die Zeit in Hamburg war fest verplant und wir hatten uns vorgenommen, den Fischmarkt am Sonntag frühmorgens zu besuchen. Nach einer etwas zu kurz geratenen Nacht, fuhren wir  mit der U-Bahn Richtung Landungsbrücken. Meine erste Fahrt mit so einer Bahn. An der Endstation angekommen, liefen wir einfach der Menschenmasse hinterher, die auch zu der wöchentlichen Attraktion wollte. Nach einem viertelstündlichen Spaziergang kamen wir erfrischt an und obwohl die Sonne schien, war es um diese Jahrezeit bzw. Uhrzeit, dennoch ziemlich kühl. Je näher wir dem Markt kamen, desto dichter wurde die Menschenmasse. Ich kannte die Szenerie von früher, jedoch Sabina bestaunte das Treiben der Verkäufer überrascht. Wir schlenderten weiter und immer wieder hörten wir, wie die Verkäufer mit Ihren Sprüchen und Rufen, potentielle Kunden anlockten. Die ungewöhnliche Verkaufstaktik versprach Angebote, wie man sie in Geschäften wahrscheinlich nie erzielen würde. Weiter gings Richtung Fischhalle, aus der authentische Musik von Joan Jett hallte.  Die Live-Band gab alles und als die Sängerin eine Pause ankündigte, wurde geklatscht und gejohlt was das Zeug hielt. 

Wir sahen uns um, auf der Suche nach den stillen Örtchen und freundlich gab einer der Securitys Auskunft. Wieder waren wir positiv überrascht, von der Sauberkeit der Toilette im ersten Stock. Auf dem Weg nach unten, einigten wir uns, die Szenerie wieder zu verlassen und draußen einen Heißgetränk zu uns zu nehmen. Hier im Gebäude gab es ausschließlich nur Bier und Speisen aller Art. Am anderen Ende des Marktes entdeckten wir einen Verkaufsstand, der warme Getränke aus allerlei Früchten aufbrühte. Freudig wurden wir begrüßt und nachdem wir uns ein wenig aufgewärmt hatten, verließen wir den Fischmarkt und hielten uns Richtung Landungsbrücken.

Es war Zeit, ins Hotel zurückzukehren, um den Zimmerschlüssel für das andere Zimmer in Empfang zu nehmen. Diesmal wurden wir in den vierten Stock umquartiert, mit Blick über den Dächern von Hamburg. Einigermaßen zufirieden, bezogen wir unser neues Zimmer. Nach einem kurzen Schläfchen, fuhren wir wieder in den Hafen, um eine Bootsrundfahrt zu buchen. Wir spazierten den Steg hinunter und stiegen in ein kleines Boot. Als genug Leute an Bord waren, ging die Fahrt los. Die Stimme aus dem Lautsprecher erklärte genauestens und auf witzige Weise, die Geschichte Hamburgs. Während der Kapitän weitersprach, bewunderten wir die idyllische Szenerie und es folgte eine durchaus interessante Begegnung mit der Vergangenheit. 

Der Kapitän steuerte seinen Kahn in die romantische "Speicherstadt", in der ich vor Jahren, meine Waren für die Heimat lud. Ich dachte zurück an ein Ereignis der besonderen Art. Nachdem ich etliche Abladestellen quer durch den Osten Deutschlands erledigt hatte, führte mich mein letztes Ziel in den Hamburger Hafen, in die Speicherstadt. Ich sollte an einem der Schuppen, wie hier zu sehen, eine Palette Teppiche entladen. Durch die rumpeligen Straßen löste sich ein Zurrgurt und die Ware fiel um. Als ich die Plane öffnete und der Chef der Firma sah, dass die Teppiche am staubigen Boden lagen, hob er entsetzt die Hände. Ich dachte, was machte der Mann für ein Theater, wegen ein paar alten Orientteppichen und schaffte wieder Ordnung. Zwischenzeitlich erklärte er mir, dass es sich nicht um gebrauchte Teppiche handeln würde, sondern dass der vierstellige Strickcode an der kleinen weißen Plakette, tatsächlich der Preis sein sollte.

 

 

Insidertip´s in Hamburg

Sabina und ich schlenderten in der Abenddämmerung durch die Stadt- auf der Suche nach einer gemütlichen Bar. Es reihten sich viele Restaurants, Cafes und Abendlokale an dieser Straße, aber wir suchten das "gewisse Etwas". Nachdem wir die Gasse erstmals rauf und dann wieder runter gelaufen waren, entschieden wir uns für das "Cube" . 

cube-hamburg@web.de Lange Reihe 88, 20099 Hamburg, Tel.: +49 (0)173 313 66 32

Als wir eintraten, begrüßte uns die freundliche Kellnerin und wir entschieden, ganz hinten, Platz zu nehmen. Bei der Bestellung unserer Drinks erkundigte sich die freundliche Bedienung, von wo wir denn herkämen. Lachend erklärten wir, dass meine Freundin und Ich aus Österreich seien und aufgrund meiner Lesereise, nach Hamburg gereist waren. Es entwickelte sich in den paar Stunden, die wir dort verbrachten, ein interessantes Gespräch - bei köstlichen Drinks. Auch ein Gast an der Theke schien interessiert. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© Die Frau im Truck - 60 Kilo auf 40 Tonnen