Die Frau im Truck - Teil 1

Hier einige Leseproben aus meinem Buch, um sich ein Bild von meiner Autobiografie  "Die Frau im Truck - 60 Kilo auf 40 Tonnen" machen zu können. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen

Eure Truckerlilly

 

Kapitel

 

                                                         Kapitel 01 *** Neubeginn

                                                         Kapitel 02 *** Aller Anfang ist schwer

                                                         Kapitel 03 *** Der Weg ist nicht immer das Ziel

                                                         Kapitel 04 *** Fernfahrerfieber   

                                                         Kapitel 05 *** Der Überfall

                                                         Kapitel 06 *** Der Einser

                                                         Kapitel 07 *** Tunnelangst

                                                         Kapitel 08 *** Kollegialität

                                                         Kapitel 09 *** Gefährliches Gut

                                                         Kapitel 10 *** Die rollende Landstraße

                                                         Kapitel 11 *** Wunderschönes Hamburg

                                                         Kapitel 12 *** Sekundenschlaf

                                                         Kapitel 13 *** Liebesabenteuer

                                                         Kapitel 14 *** Die Polizei mein Freund und Helfer

                                                         Kapitel 15 *** Ritt in die Prärie

                                                         Kapitel 16 *** Hochwasser

                                                         Kapitel 17 *** Beziehungskiller Arbeit

                                                         Kapitel 18 *** Auf Umwegen

                                                         Kapitel 19 *** Abenteuer Schweden

                                                         Kapitel 20 *** Titanic

                                                         Kapitel 21 *** Ein Hauch von Sünde

Kapitel 1 -Neubeginn

Anfang Sommer begann ich zu suchen, und es war Mitte Winter als ich meinen ersten Job bekam. In diesen sechs Monaten hatte ich mich bei über 120 Firmen vorgestellt, die mich nur testen wollten oder mir eine Abfuhr erteilten. Eine Frau in einem Männerjob? Nein, das konnte nicht sein! Aber ich gab nicht auf und beim 123. Transportunternehmen klappte es dann auch endlich. Mein neuer Chef war begeistert, dass eine Frau erstmals in seinem Betrieb anfangen sollte. Die Trucks von meiner neuen Firma standen in Wels in einem Industriegebiet. Ich sollte am 15. Jänner 1994 um 17:00 Uhr vom Platz wegfahren. Mann, war ich aufgeregt! Meine erste Reise in einem tonnenschweren Lkw, und das ganz alleine. Ich machte mir zu diesem Zeitpunkt nicht einmal Gedanken darüber, ob ich dieses schwere Gefährt überhaupt schalten konnte, denn mein Dienstgeber nahm ja an, dass ich es konnte. Ein schwerer Fehler, wie sich dann noch herausstellen sollte.

Meine Familie wollte es nicht glauben, dass ich wirklich eine Stelle als Lkw-Fahrerin gefunden hatte. Irgendwie dachten sie doch, dass die ganzen Bemühungen um den Führerschein und dann die Arbeitssuche zu meiner Gesundung gehörten. Sie wussten nicht, wie sie darauf reagieren sollten, denn Frauen gehörten damals hinter den Herd und sollten ausschließlich kochen, putzen und Kinder kriegen. Mit der Zeit gewöhnten sich meine Schwestern dann doch an den Gedanken, aber von vielen Bekannten wurde ich nicht ernst genommen. Sie gaben mir eine Woche, vielleicht einen Monat und dann würde ich doch alles hinwerfen, dachten sie.        Zu dieser Zeit war mir nicht klar, wie hart dieser Job werden würde und wie viele Entbehrungen man auf sich nehmen musste, um dieses Leben als Fernfahrerin führen zu können. Am Montag packte ich einige meiner Klamotten zusammen - viel zu wenige, wie sich dann noch herausstellen sollte. Dann machte ich mich auf den Weg zu meinem Chef in die neue Firma und wir besprachen die vorgesehene Route und in welcher Reihenfolge ich die Ware abladen sollte. Es waren drei Entladestellen, also drei verschiedene Firmen in Deutschland. Überall hatte ich einen Termin, denn ich nicht versäumen durfte. Damals gab es noch keine Navigationsgeräte, also musste ich so schnell wie möglich Kartenlesen lernen. Ich hatte es mir so einfach vorgestellt, aber da hatte ich mich gewaltig geirrt, denn in Deutschland gab es viel mehr Straßen und Autobahnen als in Österreich. Nach dem Gespräch fuhr ich dann mit meinem Pkw zum Firmenparkplatz und machte mich auf die Suche nach meinem neuen Gefährt. Es war ein riesiger Parkplatz und genau in diesem Moment sah ich Ihn. Mein Gott! Wenn ich an diesen Augenblick zurückdenke, wie war ich stolz darauf, dass ich es endlich geschafft hatte, meine Träume und Ziele verwirklicht zu sehen. Ich holte meine Klamotten aus dem Pkw und verstaute alles auf die Schnelle im Lkw. Danach parkte ich mein Auto auf dem Firmenparkplaz und kletterte in das Führerhaus. Meine Kleider waren schnell verräumt, das Bett überzogen und somit war ich endlich fahrbereit. Ich setzte mich auf den Fahrersitz, vor mir das riesige Lenkrad. Dann suchte ich die Schaltung. Jetzt wurde es brenzlig. Wie sollte ich dieses Ding vom Fleck bewegen? Ich musste den Lkw starten, denn es war eiskalt und mir kam es so vor, dass es drinnen noch kälter war als draußen. Alles, was ich in der Fahrschule gelernt hatte, hatte ich vor Aufregung vergessen. Nervosität kam in mir hoch und dadurch konnte ich auch nicht mehr klar denken. Meine nächste Idee war, alles wieder auszuräumen, und die Flucht zu ergreifen. Ich konnte ja nicht einmal wegfahren! Wie sollte ich es schaffen, den tonnenschweren Lkw vom Platz wegzubewegen? Mein Chef beobachtete mich aus einiger Entfernung, wie ich erst jetzt bemerkte, und so nahm ich meinen ganzen Mut zusammen. Erneut versuchte ich, den Lkw wenigstens einmal vom Parkplatz wegzubekommen. Ich stieg auf die Kupplung und drückte den Gang sanft nach vorne. Es krachte, aber es tat sich nichts. Verzweiflung pur. Was für eine Blamage!

Obwohl es in der Kabine noch immer bitterkalt war, spürte ich, wie ich in Schweiß ausbrach. Als mir wieder bewusst wurde, dass ich hinter den Bäumen einen stillen Beobachter hatte, der mich kritisch unter die Lupe nahm, vergaß ich all meine Ängste. Ich kuppelte zweimal so, wie ich es in der Fahrschule gelernt hatte, und drückte vor lauter Wut und Verzweiflung mit aller Gewalt den Schaltheben nach vorne. Es krachte zwar wieder, aber diesmal leiser als zuvor und der Gang war drinnen. Eigentlich sollte ich die Kupplung langsam kommen lassen, aber das funktionierte nicht. Der Lkw machte einen Satz nach vorne und nach diesem Schreck schaltete ich gleich in den zweiten Gang. Mit überhöhter Drehzahl und lautem Motorengeräusch schlich ich auf die Kreuzung zur Hauptstraße und auch diesmal hatte ich Glück, denn es war kein Auto in Sicht. Als mein Chef gesehen hatte, wie "gut" ich die Situation meisterte, fuhr er winkend davon. Wenn er gewusst hätte, wie viele Nerven mich die paar Meter gekostet hatten, dann hätte er mich mit Sicherheit nicht losfahren lassen. Aber wie sagt man so schön? 

Was der Chef nicht weiß, macht Ihn nicht heiß...

Erklärung

Als ich meine erste Fahrt in die Ferne antrat, hatte ich null Praxis. In meiner Familie und meinem damaligen Freundeskreis gab es keine Chauffeure die mir in Punkto Technik behilflich sein konnten, also fuhr ich Grünschnabel einfach los. Auch war es nicht geplant, mitten im Winter bei meiner ersten Arbeitsstelle zu beginnen. Mir war nicht wohl, bei Schnee und Eis die Reise ins Unbekannte antreten zu müssen, und doch wagte ich diesen Schritt. Erst im Laufe der Zeit lernte ich, meinen 38 Tonnen schweren Lkw richtig zu schalten und wie ich in einer Gefahrensituation reagieren muss, wie z.B. bei einer Vollbremsung. Natürlich konnte ich auch das Kettenanlegen nicht oder wie man einen Stadtplan bzw. eine Straßenkarte lesen musste...

Kapitel 12 - Sekundenschlaf

Der Staplerfahrer sah mich am Tor stehen und kam zu mir, mit der Aussage, dass ich wieder schlafen gehen konnte. Wenn er mit dem Laden fertig war, würde er an meine Tür klopfen. Wenn ich dann mit dem Zumachen der Plane fertig war und den Motorwagen mit dem Hänger verbunden hatte, sollte ich zu ihm ins Lagerbüro kommen, damit er mir meine Papiere aushändigen konnte.  Ich nickte nur und mit einem müden Danke drehte ich mich um und ging zurück in mein Fahrerhaus, verschloss es, diesmal ohne Gurten, zog mich aus und fiel sofort wieder in einen tiefen, unruhigen Schlaf. Noch war mir nicht bewusst, was es hieß, an der Rampe zu schlafen, während der Lastwagen geladen wurde.  

Jedoch als ich gerade eingenickt war, wurde ich durch einen lauten Krach, wie wenn Metall auf Beton schlug, erneut geweckt. Der Staplerfahrer fuhr mit einem Hurra auf die Ladefläche meines Trucks und jedes Mal wenn die Räder des schweren Arbeitsgeräts über den Mittelteil der Rampe fuhren, erklang ein dumpfer, lauter metallischer Schlag. Außerdem wurde der Truck durch die Wucht des schweren Geräts regelrecht in die Höhe gehoben und so war an schlafen nicht mehr zu denken. Im Laufe der Nacht wurde es ruhiger und ich konnte doch erneut einpennen, aber wie mir schien, wurde ich nach kürzester Zeit wieder durch lautes Klopfen und starkes Schwingen meines Fahrerhauses geweckt. Mein Blick fiel auf den Wecker und mir wurde bewusst, dass ich nicht mehr als eineinhalb Stunden geschlafen hatte. Am liebsten hätte ich mich noch einmal auf die Seite gedreht, doch der Lagerarbeiter stand noch immer vor meinem Lkw und wartete, bis ich ausgestiegen war. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich warm einzupacken und die wohlige Wärme meines Fahrerhauses zu verlassen. Der Arbeiter gab mir die Papiere in die Hand, mit dem Kommentar, dass ich morgen in der Früh in Wien abladen musste. Ich starrte den Staplerfahrer an, denn es konnte sich auf gesetzlichem Weg auf keinen Fall ausgehen, dass ich rechtzeitig meinen Termin schaffen würde, waren es doch fast 950 Kilometer zu radeln. Außerdem hatte ich bis jetzt noch keine achtstündige Pause gemacht,  die laut den gesetzlichen Richtlinien nicht unterbrochen werden durfte. Aber laut meinem Chef musste ich pünktlich in Wien sein, sonst würde ich meine Arbeit verlieren, und das konnte ich auf keinen Fall riskieren. 

Die Arbeit war in der Nacht mühselig und aufreibend, denn für alles, was am Tag ruck-zuck ging, brauchte man in der dunklen Kälte um das doppelte länger. Nun musste ich nur noch den Keil unter dem Hängerreifen hervorholen, ein Stück nach vorne fahren und da wiederum die Bordwand und die Plane schließen. Endlich konnte ich wieder in mein warmes Fahrerhaus klettern und mich seelisch darauf vorbereiten, die ganze Nacht durchzufahren. Die ersten beiden Stunden verliefen gut, denn die Musik lief auf voller Lautstärke. Zu meiner Rechten lagen die feuchten Taschentücher griffbereit, um mir das Gesicht damit abtupfen zu können, falls ich wirklich zu müde wurde. Aber je länger ich fuhr, desto weniger konnte ich meinen Schlaf unterdrücken.

Um nicht während der Fahrt doch einzuschlafen, fing ich an, mich mit meiner verstorbenen Mutter zu unterhalten. Ich berichtete ihr die aktuellsten Neuigkeiten - und es gab viel zu erzählen, denn ich hatte schon lange nicht mehr mit ihr gesprochen. Mir kam es gar nicht in den Sinn, dass ich mich in meiner jetzigen Situation eigenartig verhielt, wie all jene, die ich immer komisch musterte, wenn sie in Gesprächen vertieft alleine an mir vorbeigingen. Natürlich konnte mich keiner sehen, doch im Endeffekt war es dasselbe. Mit großen Gesten beschrieb ich meiner verstorbenen Mutter alle Vorkommnisse und erzählte mit lauter Stimme, welche Abenteuer ich erlebt hatte. Immer wieder musste ich mir die Augen und die Schläfen mit einem feuchten Taschentuch abkühlen und die Hardrock-Klänge aus dem Radio halfen mir, nicht während der Fahrt einzuschlafen.

Ich war mir so sicher, dass ich die nächsten zweieinhalb Stunden bis zur nächsten Pause durchhalten würde. Doch ich hatte mich geirrt, denn ich schlief ein. Munter wurde ich durch einen dumpfen Schlag, der mich mit voller Wucht traf und wachrüttelte. Metall auf Metall. Was für ein kreischendes, schrilles Geräusch, das mich bewusst werden ließ, was passiert war. Zu müde, um noch klar denken zu können, geschweige denn mit den Toten zu sprechen, war ich am Steuer meines 38 Tonnen schweren Trucks eingenickt.

Ich hatte Glück, dass sich genau an dieser Stelle, die mir fast zum Verhängnis geworden wäre, eine Leitplanke befand, die mich aufgefangen hatte und nicht in eine tiefe Schlucht stürzen ließ. Einige Schrecksekunden lang dachte ich in meiner Benommenheit, dass ich den Lastwagen nicht mehr unter Kontrolle bringen würde und doch tat ich das Richtige...

Erklärung

Da ich blutige  Anfängerin war und die Realität doch anders aussieht als in der Fahrschule, hatte ich die Fahr,- Ruhe- und Einsatzzeiten nicht mehr im Griff. Als ich bei der Spedition ankam, erhoffte ich mir ein paar erholsame Stunden, doch es kam anders als wie von mir erwartet.

In den ersten Wochen meiner Fernfahrerkarierre wurde ich überfallen (Kapitel 5), und da ich mich vor unliebsamen Eindringlingen schützen musste, benützte ich einen Zurrgurt, den ich im Fahrzeuginneren an den Haltegriffen meines MANs befestigte.

Natürlich hat der Kraftfahrer die Wahl auch einmal "Nein" zu sagen, wenn er Druck von Oben bekommt. Doch gerade als Führerscheinneuling befürchtet man doch, den Job und so auch seine Existenz zu verlieren. Ich lernte gleich in der Anfangszeit, um meine Rechte zu kämpfen. 

Kapitel 19 - Abenteuer Schweden

Besorgt lief ich den Weg zurück, den wir gekommen waren, bis ich zu der schweren Eisentür kam, die zu meinem Lkw führte. Ich konnte den riesigen Riegel nicht bewegen, geschweige denn öffnen. Ich zerrte und rüttelte daran, jedoch tat sich nichts. Verzweifelt sah ich mich als "blinder Passagier" nach Schweden schippern, vielleicht wie in den alten Filmen versteckt in einem Ruderboot. Vor lauter Frust und Wut über meine Unachtsamkeit, die sicherlich nur entstanden war, weil ich so erfreut über die Reise war, fing ich leise zu weinen an. Ich war von mir selbst sehr enttäuscht. Doch auch hier hatte ich Glück im Unglück, denn wie von Zauberhand öffnete sich die Eisentür und mir blickte ein freundliches Gesicht entgegen. Der Mann sah meine Tränen und wollte mich trösten, indem er mir eine Frage stellte. Leider verstand ich ihn nicht und ich brachte mit österreichischem Akzent nur den einzigen englischen Satz raus, den ich kannte. "I don`t speak English", kam es leise über meine Lippen.                                       "What?", erkundigte sich der Matrose mit verdutztem Gesichtsausdruck. Wahrscheinlich hatte er mich nicht verstanden.

Wie sollte ich dem Mann nur erklären, was ich wollte? Da die Tür ja offen stand, zerrte ich ihn einfach auf die Transportfläche und zeigte mit der Hand auf die Lastwagen. Während ich ihn noch weiter neben mir her schleifte, tippte ich mit meinem Finger auf meine Brust und versuchte es noch einmal mit meinem "hervorragenden" Englisch. "My Truck", sagte ich zu ihm. Mehr an englischen Vokabeln kannte ich wirklich nicht. "Okay", kam es aus seinem Mund. Endlich schien mich der Mann zu verstehen. Obwohl es ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgefallen war, dass ich leichte Verständigungsprobleme hatte, versuchte er doch noch einmal, sich mit mir zu verständigen. "Where is your Truck? You are a trucker lady?" Ungläubigkeit zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Ich verstand kein Wort von dem, was er mir zu sagen versuchte, doch ich konnte es mir denken. "My truck?", fragte ich verlegen mit einem Schulterzucken, denn ich wusste im Moment nicht, wo er stand, da die Ladefläche mit riesigen, metallenen Trennwänden abgeteilt war. Wahrscheinlich dienten diese als Sicherheitseinrichtung, bei einem Wassereintritt durch ein Leck. Doch darüber wollte ich jetzt wirklich nicht nachdenken. Jetzt war es wichtig, dass ich meinen Lkw fand. Endlich schien der Arbeiter zu verstehen, was ich von ihm wollte. Er nahm mich am Arm und zog mich durch die Eisentür, die sich direkt in den Metallwänden befand. Erleichterung kam in mir auf, als ich meinen Lastwagen stehen sah. Ich versuchte, einen Weg zu meinem Truck zu finden, da alles zugeparkt war. Nur am Ende, wo sich die Trennwände befanden, gab es eine kleine Stelle, durch die ich mich durchzwängen konnte. Nun musste ich noch zwischen den Lkws durch und konnte in das Fahrerhaus klettern, um meine notwendigen Papiere, die griffbereit auf der Ablage lagen, an mich zu nehmen. Ich ging denselben Weg wieder zurück zu der Eisentür, wo der Arbeiter schon auf mich wartete, um mich wieder nach oben ins Office zu bringen. Bevor wir den Gang erreichten, wo es Richtung Office ging, sagte der Matrose: "Goodby, my lady!" Mit den Worten "Bye, thank you" dankte ich ihm für seine Hilfe. 

Ich war stolz auf mich, meine allererste englische Konversation so gut über die Bühne gebracht zu haben. Immerhin war ich mit fast nichts an Englischkenntnissen doch ans Ziel gelangt...

Erklärung

Nachdem ich genug Praxis angesammelt hatte, war es mir möglich erneut auf Stellensuche zu gehen. Ich hatte Glück und nach einigen Wochen intensiver Bewerbungen fand ich die richtige Firma. Die erste Tour in meinem neuen Betrieb, führte mich nach Schweden. Die aufregende Schifffahrt, ein Abenteuer dass ich nie vergessen werde. Die Auffahrt auf die höher gelegene Etage des Schiffes war so spektakulär für mich, dass ich nur die Reisetasche zum Office mitnahm und das Ticket im Lastwagen vergessen hatte. 

Da ich in der Schule bei den Fremdsprachen nie aufgepasst hatte, waren diese mehr als schlecht. Trotzdem gab es immer wieder Fremde oder Kollegen, die mir in einer verzwickten Situation behilflich waren. Ohne sie hätte ich manches Abenteuer nicht so glimpflich überstanden und dafür möchte ich mich heute bei Ihnen bedanken.

Darum ein kleiner Appel an Euch, wenn Ihr einen Lkw-Fahrer seht, der Eure Hilfe braucht und Ihr Zeit habt, lasst Ihn nicht alleine im Regen stehen. Für ihn ist es nicht leicht, in einem fremden Land ohne jegliche Sprachkenntnisse durchzukommen.

Ein Pkw-Fahrer kann ohne Probleme wieder wenden, doch mit einem Truck:

40 Tonnen schwer, über mind. 16 Meter lang und vier Meter hoch, wird auch die kleinste Kleinigkeit zu einer Schwierigkeit!       

Die Frau im Truck - Teil 2

Inhalt

                                                    Kapitel 01 *** Glückliche Jahre

                                                    Kapitel 02 *** Tausend Schafe

                                                    Kapitel 03 *** Falsches Spiel

                                                    Kapitel 04 *** Exotische Begegnung

                                                    Kapitel 05 *** Fernfahrergeschichten

                                                    Kapitel 06 *** Verflixte Freitagspannen

                                                    Kapitel 07 *** Eigentor

                                                    Kapitel 08 *** Im Reich der Penner

                                                    Kapitel 09 *** Beifahrerflausen

                                                    Kapitel 10 *** Delikt Nummer fünf

                                                     Kapitel 11 *** Jugendsünden

                                                    Kapitel 12 *** Anfängerpech

                                                    Kapitel 13 *** Durch dick und dünn

                                                    Kapitel 14 *** Historische Stadt Steyr

                                                    Kapitel 15 *** Traumtänzer

                                                    Kapitel 16 *** Bordsteinschwalben

                                                    Kapitel 17 *** Liebe auf den dritten Blick

                                                    Kapitel 18 *** Gefahr Autobahn

                                                    Kapitel 19 *** Notruf 122 und 144  

                                                    Kapitel 20 *** In Gedenken  Kapitel 21 *** Auf Tour  

                                                    Kapitel 22 *** Oh, Du Fröhliche        

                                                    Kapitel 23 *** Verletzt   

                                                    Kapitel 24 *** Gefährliche Begegnung

 

Kapitel 1 -  Glückliche Jahre

Die Wochen vergingen und ich wurde wie ein vollwertiges Mitglied in meiner neuen Firma aufgenommen. Wir waren eine Gruppe von insgesamt 11 festangestellten Chauffeuren, die nicht nur aus Österreichern bestand. Gerade in der Anfangszeit hatte ich Schwierigkeiten, mit den ausländischen Fahrern warm zu werden, denn sie beäugten mich monatelang misstrauisch. Der jugoslawische Kollege, Dragan genannt, sprach fast ein halbes Jahr kein Wort mit mir. Oft war ich dazu gezwungen, ihn von Graz mitzunehmen, da er seinen Lkw über das Wochenende bei einer Spedition stehen lassen musste. Ich war ihm beim Einräumen seiner Schmutzwäsche und sonstigen Taschen behilflich und versuchte freundlich zu sein, doch durch seine abweisende Art, fiel mir das schwer. Natürlich versuchte ich Dragan in ein Gespräch zu verwickeln, doch er wollte mir nicht antworten. So fuhren wir stillschweigend, in bedrückter Stimmung Richtung Firma. Obwohl mich sein Verhalten tief verletzte, musste ich doch geduldig sein, denn ich wusste sehr wohl, dass für die meisten Ausländer eine Frau hinter den Herd gehörte, weil sie eine andere Mentalität gegenüber dem weiblichen Geschlecht hatten. Doch meine Geduld zahlte sich aus und eines Tages, Monate später, brach er sein Schweigen.

   Emre, ein Türke, war schon ein anderes Kaliber. Er war wirklich ein schöner Mann, doch ich würde mich nie auf ein Abenteuer mit einem Kollegen einlassen. Doch versuchte er mich, gerade in der ersten Zeit zu verführen, mit all seinen für ihn möglichen Mitteln. Als er bemerkte, dass sein Charme bei mir nicht wirkte, wurde er zudringlich. Ich war für Ihn zu seinem persönlichen Spielzeug geworden, das äußerte sich so, dass er mir bei jeder Gelegenheit wo wir alleine waren, auf den Po oder auf den Busen tatschte. Für ihn war ich Freiwild und oft wurde es mir so zu bunt, dass mir daraufhin die Hand ausrutschte und ich ihm eine knallte. In so einem Moment sah ich, wie er sich mühsam beherrschen musste, um mir keine Abreibung zu verpassen. Doch gab es auch ruhige Minuten, wo ich langwierig versuchte, ihm meine Lage zu erklären. Dass ich nicht sein Eigentum war, wo er sich jederzeit bedienen könnte. Genau wie bei Dragan, akzeptierte er mich erst nach einer gewissen Zeit. 

   Aber ich wurde belohnt für meine Geduld mich nicht vertreiben zu lassen, denn als diese Gewöhnungszeit vorüber war, konnte ich mit Stolz sagen, ich hatte die besten Kollegen, auf die ich mich jederzeit und in jeder Situation verlassen konnte. Das galt auch für die anderen Fahrer in unserer Firma, die mich von Anfang an wie selbstverständlich in ihren Kreis aufgenommen hatten. Ich war stolz darauf, in so einem Betrieb arbeiten zu dürfen und bei allem mit von der Partie zu sein. Wir hatten keine kompletten Touren, nein, ganz im Gegenteil, bei uns wurden nur Sammeltransporte gefahren. Das hieß, wenn ich von zu Hause losfuhr, musste ich zuerst bei der Spedition abladen, bevor ich zu mindestens vier weiteren Betrieben fahren konnte, um dort den Rest loszuwerden. Dann wurde ich von dem zuständigen Disponenten angewiesen, wieder laden zu fahren. Wenn die Verladung dann abgeschlossen war, musste ich den Lastwagen von der Rampe fahren und mir einen Stellplatz suchen. Nun hieß es auf Papiere warten...        

   Auch wenn der Arbeitstag eines Fahrers um die 15 Stunden andauerte, war diese Zeit oft viel zu kurz. Jeder von uns weiß, wie es auf den Straßen Europas aussieht. Immer wieder musste man mit Verzögerungen rechnen und wenn es keinen Stau oder eine Sperre auf der Autobahn gab, dann musste der Kutscher mit zu niedrigen Brücken oder Tonnage- Beschränkungen auf der Bundesstraße rechnen. In so einem Fall waren wir gezwungen, uns eine Alternativroute zu suchen wenn keine Umleitung beschildert war, wobei wir des Öfteren nicht wussten, wo wir rauskommen würden. Hin und wieder passierte es auch, dass die Büroadresse auf dem Lieferschein angegeben war und wir in Wohngebiete fahren mussten, was aber meistens katastrophale Auswirkungen hatte.

   So wie es mir ganz am Anfang einmal in Wien passiert war und ich in den ersten Bezirk gelotst wurde. Ahnungslos lenkte ich mein Fahrzeug in den verbotenen Stadtteil und obwohl es mir komisch vorkam, dass ich hier mitten in einem Wohngebiet abladen sollte, fuhr ich weiter. Noch war Platz genug, dass ich mit meinem 2,50 Meter breiten Fahrzeug in der Straße durchkam, doch ein Pkw durfte sich mir nicht mehr auf der Gegenfahrbahn nähern, sonst würde alles zum Stillstand kommen. Nach ein paar Metern wurde die Straße noch enger und ich war gezwungen, die Spiegel bei den parkenden Fahrzeugen links und rechts einzuklappen, um sie nicht zu demolieren. es dauerte nicht lange und ich kam endgültig vor einem Springbrunnen zum Stehen. Die Autos hinter mir eröffneten ein Hupkonzert und ich wurde noch nervöser als ich ohnehin schon war. Da es sechs Uhr in der Früh war, wurden natürlich auch die Anrainer geweckt und irgendeiner von den Bewohnern erbarmte sich und rief die Polizei. Als die Beamten endlich einen Weg fanden, zu mir durchzudringen, freute ich mich fast sie zu sehen...

Erklärung

In allen Firmen wo ich als Lastwagenfahrerin tätig war, musste ich mich erst beweisen, um akzeptiert zu werden. Im Rückblick in die Vergangenheit, kann ich die Reaktionen der Männer besser verstehen. Im zweiten Teil meines Buches wird unter anderem auch die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Mann und Frau ausführlich beschrieben und welche Probleme sich daraus ergeben.

 
 

Kapitel 6 - Fernfahrergeschichten

Wieder einmal hatte ich ein hartes Wochenende mit Peter hinter mich gebracht, deshalb war ich fast froh, endlich von zu Hause wegzukommen. Die ständigen Eifersuchtsszenen und hartnäckigen Versuche, mich in eine Hausfrau zu verwandeln, zerrten an meinen Nerven. Wehmütig dachte ich an die Zeit zurück, als wir uns kennengelernt hatten und er beharrlich um mich warb. 

   Nach dem schlimmen Erlebnis in Frankfurt am Main, konnte ich an den freien Tagen, mein zu Hause nicht verlassen. Die Zeit war nötig, um mich von dem brutalen Angriff zu erholen. Ich wurde unzuverlässig meinen Verwandten, Geschwistern und Freunden gegenüber. Deshalb hielt ich einige von den vereinbarten Treffen nicht ein, da ich das Gelächter und die gute Laune nicht ertragen konnte. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, mich nicht unterkriegen zu lassen, wurde ich dennoch schwach. Wochen später erwachte ich aus meiner Lethargie und vieles normalisierte sich wieder. Das aufgesetzte Lächeln und die vorgegaugelte Fröhlichkeit wichen einem ungekünstelten Lachen und die toten Augen erwachten wieder zum Leben.

   Aus unerfindlichen Gründen wählte ich eines Samstagsabends ein Pub, das mir völlig fremd war. Neugierig trat ich ein und nahm wie selbstverständlich an der voll besetzten Bar Platz. An diesem Abend lernte ich wahrlich nur geschiedene Männer kennen. Mein lautes Lachen erschallte in dem Raum, denn jeder von den fremden Kerlen buhlte um meine Aufmerksamkeit. Ich war es nicht gewohnt, so umworben zu werden und genoss diese ungewöhnliche Situation. Stunden später wurde es Zeit für mich zu gehen, um für die morgige Abfahrt um 22:00 Uhr fit zu sein. Wie schon lange nicht mehr so glücklich, schlief ich zum ersten Mal die ganze Nacht durch, ohne jegliche Albträume oder Schweißausbrüche. Ich war bereit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. In den kommenden Wochen besuchte ich immer wieder das Lokal, wo ich mich jedes Mal so prächtig amüsierte, wie am ersten Tag. Stundenlang diskutierten wri über Gott und die Welt und über meinen Job als Kraftfahrerin. Es tat mir gut mit Fremden zu reden, auch wenn es meist um Belangloses ging. Die Anerkennung über meine Leistung als Frau machten mich stolz und ließen meine Stärke und mein Selbstbewusstsein wachsen. Als ich eines Tages wieder mein neues Stammlokal besuchte, entdeckte ich einen jungen Mann, der mir noch nie in dieser Lokalität aufgefallen war. Obwohl er sich nicht für mich zu interessieren schien, grüßte er freundlich zu mir rüber und ich erwiderte seinen Gruß. Sogar als ich mich von allen Anderen verabschiedete, winkte er mir zu. Immer wieder musste ich während der folgenden Wochen an ihn denken und ich konnte es kaum erwarten, ihn wiederzusehen.

   Ein über Jahre vergessenes Gefühl schlich sich in der Bauchgegend ein, ich sehnte mich nach Liebe und Zärtlichkeit. Eigentlich konnte ich mir die Besuche in der Kneipe nicht auf Dauer leisten, doch wie aus einem inneren Zwang kratzte ich die letzten paar Euro zusammen, um erneut in die Bar gehen zu können. Auch Peter, der gutaussehende Fremde gesellte sich immer häufiger dazu, um in unserer Runde zu verweilen. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, und ich lernte ihn im Laufe der Zeit zu schätzen. Er war ein guter Zuhörer, dem ich meinen Kummer und die nicht enden wollenden Sorgen anvertrauen konnte. Als wir in unserer Kennenlernphase waren, sprachen wir natürlich auch über meine derzeitige Situation. Es imponierte mir, dass er jedes noch so unangenehme Thema ansprach und nicht gleich "seine Beine in die Hand nahm" und die Flucht ergriff. Doch wie es schien, war die verständnisvolle Zeit nur vorgegaugelt, um mich in seinen Bann zu ziehen. Und ich, war wie ein dummes Huhn in seine Falle getappt.

   Ich hatte keine Freude mehr an den Telefonaten mit meinem Liebsten, sondern sträubte mich fast dagegen. Immer nur die ständigen Vorhaltungen bei den kurzen Gesprächen zu hören, ließen mich widerwillig zum Hörer greifen. Mein Partner glaubte wirklich daran, dass ich als Lkw-Fahrerin, mit meinem tonnenschweren Truck, nur eines im Schilde führte. Mir in den Kneipen, Raststätten oder Autohöfen einen Lover für die Nacht zu suchen. Oft ärgerte mich diese naive Denkungsweise, doch konnte man Peter und den anderen Unwissenden nicht böse sein, denn sie wussten es ja nicht besser. Trotzdem machte sich keiner von ihnen je die Mühe herauszufinden, ob sich diese weitverbreitete These bewahrheitete oder nicht. 

 
 

 

Kapitel 14 - Historische Stadt Steyr

 
 

Nicht nur einmal half ich einem fremden Lkw-Fahrer aus der Patsche, der auf der Suche nach einer Firma in meiner Heimatstadt Steyr war. Auf der einen Seite versperren ihm die engen Straßen den Weg und auf der anderen der kleine Torbogen mit einer Höhe von 3,60 Meter, der ins historische Zentrum führt.

Ich komme jedes Mal ins Schwärmen, sobald ich an Steyr denke, wenn ich für längere Zeit nicht daheim bin. Gesetzt den Fall ich bin zu Hause, genieße ich den Ausblick vom Restaurant Taborturm. Meist kann ich es nicht lassen, die altertümliche Treppe ins Stadtinnere zu begehen, um ins Zentrum zu gelangen. Von der Kirche St. Michael, kurz und bündig Michaeler Kirche genannt, führt der Weg weiter über Zwischenbrücken.

Auch hier muss ich wieder anhalten, um Elan für meine Abfahrt am Sonntag um 22:00 Uhr zu tanken. Ich brauche keine großartigen Geschenke, um mich daran zu erfreuen. Eine schöne Landschaft, wie die Aussicht auf den Fluss mit den winzigen Steinstränden, die im Sommer für einige Sonnenhungrige als Badeplatz dienen, gibt mir neue Kraft. Jedoch im Winter genauso eine Augenweide, mit den verschneiten Baumwipfeln und den Schwänen, die dort Zuflucht suchen.

Steyr hat einiges zu bieten, nicht nur für den Tourismus, auch für die Einheimischen.

Erst vor kurzem, im Jahre 2014 besuchte ich zum ersten Mal das Weihnachtsmuseum, da ich bis dahin keine Ahnung hatte, dass es so eine Attraktion bei uns gibt. Die Erfahrung, mit der hauseigenen Erlebnisbahn durch die internationale Weihnachtswelt, bestehend aus: etlichen Krippen, Christkind, Baumschmuck, Puppen und Puppenhäusern gefahren zu werden, versetzt mich zurück in meine Kindheit.

 

Um meine Runde fortzusetzen, gehe ich weiter Richtung Schloss Lamberg. Das alte Gemäuer dient nicht nur für heiratsfähige Brautpaare zur Eheschließung, sondern auch für Kulturabende oder sonstige Veranstaltungen. Der Blick von der Außenmauer in den Burggraben, bringt mich zum Lächeln, wenn ich die Steinböcke friedlich grasen sehe. Am angrenzenden Schlosspark ist es dann soweit, meine erste Pause am romantischen Fischteich einzulegen. Doch noch habe ich nicht genug, ich gehe weiter durch den Park Richtung Vogelhäuschen und lege auch dort eine kurze Rast ein. Erst als ich genug von dem Gezwitschere habe, marschiere ich durch die Grünfläche und laufe über eine der vielen engen Treppen ins Zentrum.

Immer wieder vergleiche ich unterwegs andere Städte mit meiner Heimatstadt, doch keine kann bei Weitem, Steyr das Wasser reichen. Schon alleine der Anblick der restaurierten Gemäuer, dieden gesamten Stadtplatz zieren, lassen mich damals, so wie auch heute, vor Stolz erbeben. 

Kapitel 20 - In Gedenken

Inzwischen hatte mein Chef mehrere Fahrer aus Ostdeutschland eingestellt, da sich in unseren Breiten anscheinend keine vernünftigen Chauffeure mehr fanden. Eines Tages fuhr wieder ein Neuer auf den Hof und stellte sich vor. Der ältere Mann nannte zwar seinen Familiennamen, jedoch im selben Atemzug auch seinen Spitznamen. Von dem Moment an war er einfach kurz und bündig der Koko für mich. Der Arbeitskollege war wie alle anderen Fahrer in unserer Firma kollegial eingestellt und wurde im Laufe der Zeit ein Freund für mich. 

Koko hatte eine Art, die Vertrauen einflößte und ich wusste hundertprozentig, dass er die vielen Gespräche, die ich mit ihm führte, nie weitererzählen würde. Die Probleme mit Peter belasteten mich so sehr, dass ich mich oft vor Magenschmerzen auf dem Fahrersitz krümmte und deshalb fast nicht mehr fähig war, meinen Dienst ordnungsgemäß auszuführen. Die Wut und der Frust, die sich im Laufe der Zeit gegenüber meinem Lebensabschnittspartner aufgebaut hatten, wurde mit jedem Gespräch, wleches ich mit meinem Arbeitskollegen führte, weniger.

Nur seiner Geduld hatte ich es zu verdanken, dass ich nach einiger Zeit wieder Vertrauen in die Gesellschaft fassen konnte.

Die Monate vergingen und eines Tages war Koko wie vom Erdboden verschwunden. Er fehlte mir und auch die Gespräche mit ihm. Als ich meinen Chef am Firmengelände antraf, sprach ich ihn auf das Fehlen meines Kumpels an und er erklärte mir, dass unser Arbeitskollege krank war. Mehr wollte mein Boss auch nicht dazu sagen.

Es dauerte etliche Wochen, bis Koko endich wieder mit der Arbeit begann. Der Kerl war schon immer so dünn wie ein Strichmännchen gewesen, doch jetzt war fast nichts mehr von ihm übrig. Mit eingefallenen Wangen und einem kaum spürbaren Händedruck begrüßten wir uns. Die Augen, die noch vor Kurzem Freude und Lebensmut ausgestrahlt hatten, waren glanzlos und traurig geworden. 

Es tat mir im Herzen weh, was in der kurzen Zeit aus diesem Mann geworden war. Natürlich war ich neugierig, warum der Fahrer sichtlich aufgegeben hatte, doch wollte ich ihn nicht bedrängen. Irgendwann würde er mir erzählten was passiert war, dachte ich jedenfalls. Mein Kollege und Freund verkroch sich in sein Schneckenhaus und eines Tages war er einfach nicht mehr da.

Die Kollegen und ich bekamen nach wenigen Wochen die Nachricht, dass unser Arbeitskollege und Freund verstorben war. Ich war traurig darüber, dass ich ihn nicht auf dem letzten Weg begleiten konnte. 

Auch die Firma Maller machte sich Gedanken darüber und Tage später kam unser Chef mit dem Vorschlag, dass wir alle nach Deutschland fahren könnten, um Kokos Grab zu besuchen.

Das darauffolgende Wochenende machten wir uns auf den Weg zu unserem verstorbenen Kollegen und fuhren zu Kokos Grab. Im Stillen verschiedete ich mich von meinem liebgewonnenen Weggefährten und konnte nur unter Mühen meine Tränen unterdrücken. 

Wir blieben eine Weile im Friedhof stehen, um anschließend zu einer Art Gedenkfeier in ein Gasthaus, nahe unserer Schlafstelle zu fahren. 

Bis heute weiß ich nicht, wer diese Fahrt bezahlt hatte, aber ich glaube Herr Maller und seine Frau. 

Welcher Vorgesetzter würde für seine Fahrer so eine Reise organisieren, um dem langjährigen Arbeitskollegen und Freund die letzte Ehre erweisen zu können?

Dafür möchte ich mich nochmalig herzlichst bei Herrn Maller und seiner Familie bedanken!

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