Stadt in Bewegung  

Zum Abschied eines Logistik Areals

Ich möchte mich herzlichst für die Einladung zur Gesprächsrunde am Nordwestbahnhof Wien, bei Michael Hieslmair und Michael Zinganel bedanken.

Danke, für den netten Empfang und den interessanten Tag, den ich in Eurer Mitte verbringen durfte. Dir Michael Hieslmair, möchte ich besonders danken, für den netten Abend den ich in Wien verbringen durfte.

Der Besuch in Wien am Nordwestbahnhof war wie ein Blick in die Vergangenheit.

Nicht nur die Erinnerung der harten Arbeit, sondern auch an verlässliche Kollegen und eine aufregende Zeit, die ich in dieser Branche als Lkw- Fahrerin im internationalen Verkehr verbringen durfte, lässt mich schaudern.

 

Der 1872 eröffnete Wiener Nordwestbahnhof mit einem bis heute noch operierenden Containerterminal der ÖBB stellt einen der letzten zentrumsnahen Logistik-Knoten der Stadt Wien dar. Ende des Projektjahres 2017 werden alle Verträge mit den Mietern und Untermietern auslaufen, um mit dem Abbruch des Geländes für den Bau eines neuen Stadt-Entwicklungsgebietes zu beginnen.

Die großen privaten Logistik-Unternehmen sind durch die wiederholte Ankündigung und Verschiebung der Schleifung des Areals zum Teil bereits abgewandert – sie halten aber noch Büros und Lager vor Ort. Währenddessen haben sich unzählige kleinere Transportbetriebe untergemietet. Busunternehmen stellen hier Touristen-Busse ab, eine „multi-kulturelle“ Fahrschule nutzt das Areal als Übungsgelände. Und auch der bedeutendste Filmausstatter Österreichs Props und Co. wird im Laufe des Jahres ausziehen müssen.

Viele der hier zuliefernden LKW-Fahrer, parkenden Busfahrer, Lager-Angestellten und auch einige der Unternehmer haben Migrationshintergrund. Daher lässt sich an diesem Ort nicht nur die Transformation des urbanen Raums, sondern über die Biografien der vor Ort tätigen Akteure, auch die vergangene Mobilitäts- und Migrationsgeschichte der Satdt nachzeichnen:

Zu diesem Zweck haben wir vor Ort einen Projektraum bezogen, um eingebettet das soziale Milieu der Logistiklandschaft, (Video-)Interviews und (Foto-)Portraits mit den hier tätigen Akteuren zu führen, diese auch um signifikante Objekte ihres Berufsalltages zu bitten, und sukzessive eine mehrschichtige multimediale Kartografie der Migrations- und Mobilitäts-Erfahrungen der Akteure zu erstellen. Die Ergebnisse der Recherchen werden nicht nur in einer kleinen „musealen“ Inszenierung im Projektraum ausgestellt (insbesondere die audiovisuellen Arbeiten), sondern werden auch in die öffentlichen Bereiche des Areals des Nordwestbahnhofs ausgreifen. Träger für die Outdoor-Interventionen können Fassadenteile sein, nicht genutzte Bauteile wie etwa Laderampen oder auch die Fahrzeuge selbst.

Als unsere eigene zentrale Installation entwickeln wir eine Wegenetz-Skulptur, die anhand der transnationalen Migrationsrouten und regionalen Transportrouten von ausgewählten Akteuren, die den Ort besuchen oder vor Ort arbeiten, sowohl makropolitische Ereignisse und individuelle Mobilitäts-Erfahrungen im erweiterten Einzugsgebiet nachzeichnet. Die Interventionen der Gast-Künstlerinnen formen einen Parcours durch das gesamte Areal des Nordwestbahnhofs, der die vielschichtigen und widersprüchlichen Erfahrungen der Benutzer_innen in unterschiedlichen künstlerischen Medien reflektiert.

Mit einem differenzierten Veranstaltungsprogramm versuchen wir Nutzer_innen, Besucher_innen aus den benachbarten Bezirken sowie Kulturpublikum an zu sprechen.

Ziel des Projektes ist es, die Geschichte eines speziellen Ortes der Stadt Wien vor seinem Verschwinden noch einmal in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dieser ist nicht nur ein geschichtsloser kalter anthropologischer Nicht-Ort, sondern eine bedeutende Hinterbühne zur Versorgung der Stadt und ein wichtiger Knotenpunkt für Akteure deren Arbeiten die Stadt Wien mit am Funktionieren halten.

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© Die Frau im Truck - 60 Kilo auf 40 Tonnen